18.01.2012

Hedwigsbote Februar/März 2012

HedwigsboteAm 18. Februar wird Papst Benedikt XVI. 22 neue Kardinäle ernennen, oder wie es im kirchlichen Sprachgebrauch heißt: kreieren. Mit der Kreierung des Erzbischofs von Berlin Rainer Maria Woelki und des emeritierten Professors der Päpstlichen Universität Gregoriana P. Karl Josef Becker SJ steigt die Zahl der deutschen Kardinäle auf neun.

Zweifelsohne ist das Kardinalskollegium der „exklusivste Club der Welt“ (Kramer von Reisswitz), was allerdings dessen Funktion nur unzureichend beschreibt. Ursprünglich waren die Kardinäle die Kleriker von Rom. Papst Silvester I. (314–336) sprach als erster von den presbyteri et diaconi cardinales. Später wurden auch die Kleriker an Bischofskirchen als Kardinäle bezeichnet. Dies wurde jedoch 1567 von Pius V. untersagt. Entscheidend ist, dass sie am Dreh- und Angelpunkt (lat.: cardo) der Stadt Rom oder den einzelnen Diözesen eine Funktion hatten. Ihnen kamen damit besondere Aufgaben bei der Leitung der Ortskirchen zu.

Im Laufe der Geschichte hat das Kardinalat eine ereignisreiche Entwicklung durchlebt. Geblieben ist die Mitwirkung an der Leitung der Weltkirche. Als Senat des Papstes bilden sie seinen engsten Beraterstab. Etliche sind Leiter der einzelnen Dikasterien der Päpstlichen Kurie, noch mehr sind Bischöfe in einzelnen Diözesen auf der ganzen Welt. Im Kardinalskollegium spiegelt sich daher die Universalität, die Katholizität der Kirche wider. Bei seiner Ansprache bei der Kardinalernennung 2007 brachte dies der Papst zum Ausdruck, wenn er sagte: „Die Zeiten haben sich geändert, und die große Familie der Jünger Christi ist verbreitet auf allen Kontinenten bis zu den fernsten Enden der Erde, diese Familie spricht praktisch alle Sprachen der Welt, und zu ihr gehören Völker aller Kulturen. Die Verschiedenheit der Mitglieder des Kardinalskollegiums, sowohl was die geografische als auch die kulturelle Herkunft angeht, bringt dieses von der Vorsehung gewollte Wachstum zum Ausdruck. Zugleich verdeutlicht es aber auch die veränderten pastoralen Anforderungen, auf die der Papst reagieren muss.“

Obwohl die scharlachrote Farbe der Kardinalsgewänder ursprünglich eine teure und daher seltene und kostbare Farbe war, wird sie immer wieder mit dem Blut der Märtyrer in Verbindung gebracht. Der Träger eines solchen Gewandes soll „Christus immer treu bleiben – wenn nötig bis zum Opfer des eigenen Lebens und sich allein von seinem Evangelium leiten lassen.“

Bis zum Opfer des eigenen Lebens mussten nur wenige Kardinäle in der Kirchengeschichte gehen (so z.B. Thomas Morus oder Alois Stepinac), etliche hatten aber Verfolgungen und Zeiten im Gefängnis (auch vor ihrer Kardinalskreierung) zu erdulden. Uns erinnert das Rot der Kardinäle, an die vielen verfolgten Christen, die es heute in der Welt gibt. Menschenrechtsorganisationen sprechen heute von 100 Millionen Christen weltweit. 80 bis 90 Prozent aller religiös Verfolgten sind Christen. Mehrere 10.000 Christen werden jährlich wegen ihres Glaubens umgebracht.

„Unsere“ neun Kardinäle können uns daran erinnern, dass wir als Getaufte und Gefirmte ebenfalls zum Zeugnis berufen sind. Um unser Leben müssen wir zum Glück hierzulande nicht fürchten, wohl aber, dass wir manches Mal lächerlich gemacht, schief angesehen oder verächtlich behandelt werden. Die Treue zu Christus und seinem Evangelium ist sicher nicht der billigste Weg, wohl aber ein sinnvoller und daher lohnender. Ob dass die Anhänger des Zeitgeistes auch immer behaupten können?

 

Gottes Segen Ihnen allen
Ihr Pfarrer

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