Baugeschichte

Beginn des Kirchenbaus – Weg zur Konsekration

Pfarrer Alfons Maria Härtel trieb nach seinem Amtsantritt die Kirchenbaupläne voran. Nach diversen Schwierigkeiten wegen des Bauplatzes fand am 12. Mai 1951 der erste Spatenstich und am 15. Juli 1951 die Grundsteinlegung der von Regierungsbaumeister Otto Müller als flachgedeckte, dreischiffige Basilika geplanten Kirche statt.
Nach der Fertigstellung taufte man das Gotteshaus auf den Namen der Heiligen Hedwig, der Schutzpatronin Schlesiens. Der Grundstein trägt das Ortswappen der Gemeinde Möhringen. Bei den Segenswünschen des Domkapitulars Dr. Hubert Wurm aus Rottenburg am Neckar wurde das Motto gewählt:

Wahrheit, Gerechtigkeit, Liebe sind die Fundamente, auf denen der geistige Tempelbau in, um und durch dieses Gotteshaus aus Stein erbaut wurde.

Die Wahrheit: von der Christus sagt, die Wahrheit wird euch frei machen.  Die Gerechtigkeit: von der als Wahlspruch der Hl. Vater sagt: Die Gerechtigkeit schafft Frieden.  Die Liebe: die Reiche und Arme, Heimatvertriebene und Einheimische eint zu einer Gemeinde, die sie eint mit der ganzen Kirche und unserem Volk.

Das Richtfest fand am 25. November 1951 statt mit Domkapitular Alfons Hufnagel als Vertreter des Bischofs sowie Prälat Rudolf Spohn als Dekan des Stadtkapitels Stuttgart.
Der Bau schritt rasch voran, sodass am 21. Dezember 1952 die Benediktion durch Domkapitular Alfons Hufnagel gefeiert werden konnte. Am 26. April 1953 wurde die Konsekration durch Dr. Carl Joseph Leiprecht vollzogen, den Bischof der Diözese. Der Stuttgarter Oberbürgermeister Dr. Arnulf Klett nahm an der Feier teil.

Chronologie der Bautätigkeiten an St. Hedwig seit der Grundsteinlegung

1951   15. Juli: Grundsteinlegung
1953   26. April: Weihe der nach den Plänen von Otto Müller erbauten Kirche.
1953   7. März: Einweihung des Hedwigssaales durch Caritasdirektor Msgr. Alfons Baumgärtner als vorläufiger Kindergarten, der zugleich als Versammlungsraum für die Jugend und für das Vereinsleben allgemein dienen sollte. Der Hedwigssaal wurde bis 1960 als Kindergartenprovisorium benötigt.
1953   Erwerb einer gebrauchten Orgel von „St. Maria“, Degerloch aus dem dortigen Gesellenhaus.
1954   Einweihung des ersten Pfarrhauses als Provisorium (heutige Mesner- und Jugendwohnung).
1954   Fertigstellung von zehn Sozialwohnungen auf dem Erbpacht-Grundstück an der heutigen Binsdorfer Straße.
1954   Einbau einer Heizung in die Kirche – die Baumaßnahmen an der Kirche neigten sich dem Ende zu.
1960   Frühjahr: Beginn der Aufstockung des Kirchturmes zur heutigen Höhe, die Turm- und Glockenweihe fand am 11. April 1960 statt. Die vier Glocken goss die Kemptener Glockengießerei Gebhard. Dem Geläute liegt das Motiv „Salve Regina“ zu Grunde.
1960   im November Einrichtung einer Pfarrbücherei.
1961   Einweihung des neuen Kindergartens am 19. Juli.
1962   Bereitstellung der neu gestalteten Jugendräume
1964   am 3. September Weihe des durch den Rottweiler Künstler Franz Bucher geschaffenen Hochaltarkreuzes.
1964   Weihe des neu gestalteten Altarraumes durch Weihbischof Dr. Adolf Kindermann.
1966   Erwerb eines Grundstückes im Brand, auf dem später ein Kindergarten und ein Gemeindehaus geplant ist.
1966   Fertigstellung des neuen Pfarrhauses.
1967   Erneuerung des Innenanstrichs der Kirche
1970   Einweihung der neuen Orgel, erbaut von Vleugels aus Hardheim (Odenwald).
1973   Außenarbeiten an der Kirche, Erneuerung des Hedwigssaales.
1975   Weihe des Kreuzweges von Paul Brandenburg.
1979   Beginn der Turmrenovierung.
1980   Abschluss der Kirchturmrenovierung – Turmbild von Jörg Dietrich.
1984   Generalüberholung der Orgel. Der Spieltisch wird fahrbar.
1984   Der Kindergarten wird um einen Raum erweitert, unter anderem zum Turnen.
1988   Am 16. Oktober ist die Einweihung der neuen Kapelle. Sie ist erbaut nach den Plänen von Architekt  Hans-Werner Kastner.
1994   am 14. November beginnt der Renovierung der Hedwigskirche nach den Plänen des Architekten B. Perlia & Co. Das Altarbild gestaltete Ben Willikens. Die Gottesdienste werden während der Renovierung in der Martinskirche und der Christuskirche gefeiert.
1995   Am 3. Dezember weiht Bischof Dr. Walter Kasper den Altar im neu gestalteten Innenraum der St. Hedwigskirche.
1999   Orgelrestaurierung durch die Erbauerfirma Vleugels.
2002   Der Kindergarten wird renoviert.
2002   Außenrenovierung der Kirche mit dem Dach durch den Architekten Frank Dollmann & Partner und der Montage einer Fotovoltaikanlage auf dem Süddach.
2003   26. und 27. April: Feier des 50. Weihejubiläums. Weihbischof Thomas Maria Renz steht dem Pontifikalamt vor.
2006   Nach einem Wettbewerb entscheidet sich am 15.12. das Preisgericht für den Entwurf der Architekten Günter Hermann Architekten, Stuttgart für den Neubau des Kinderhauses.
2008   Am 15. März findet der Spatenstich für das neue Kinderhaus statt. Am 22. Mai legt Pfarrer Dr. Heiko Merkelbach des Grundstein des Kinderhauses. Richtfest ist am 19. Oktober.
2009   Am 17. Mai kann nach über einjähriger Bauzeit Pfarrer Dr. Heiko Merkelbach das Kinderhaus einweihen. Der alte Kindergarten wird abgerissen.
2012   Am 23. September konnte Pfarrer Dr. Heiko Merkelbach als stellvertretender Stadtdekan die Kinder- und Familienglocke weihen.
2013   Am 21. April feiert die Gemeinde das 60. Weihejubiläum. Weihbischof Dr. Johannes Kreidler zelebriert das Pontifikalamt und pflanzt zusammen mit Pfarrer Dr. Heiko Merkelbach die Friedenslinde neben dem Pfarrhaus.

 

Die Kapelle von St. Hedwig

(Hans Werner Kastner erinnert sich)

“Die kleine Gemeinde der Werktags-Beter verlor sich bei der heiligen Messe in der großen basilikalen Kirche. Monsignore Härtel, danach Pfarrer Gottstein und insbesondere Pfarrer Hermann Benz klagten darüber. Die räumliche Distanz zwischen Priester und den wenigen Gläubigen behinderte an Werktagen eine echte Gemeinschaft bei der Gedächtnisfeier des Opfertodes Jesu.
Flexible Lösungen an den Altären der Seitenschiffe oder im Bereich der „Turm-Andreas-Kapelle” wurden erwogen und verworfen. Ein Entwurf, die große Sakristei zur Werktags-Kapelle und den Nebenraum zur alleinigen Sakristei zu machen, wäre zunächst für die kleine Beter-Gemeinde gut und zusammenbindend geworden. Die Nebenraum-Sakristei aber wäre schon für normale Sonntage – erst recht für hohe Festtage – räumlich zu klein gewesen.
Auch eine Überlegung, den Hedwigssaal zum Teil für Werktags-Gottesdienste zu nutzen, scheiterte wegen der nicht erreichbaren meditativen Raumqualität.
Also: Es musste ein Anbau sein, eine eigene Kapelle. An der Südseite wäre er zu Lasten des Kindergartens gegangen. Es blieb nur die Kirchen-Nordseite mit gemeinsamem Vorraum für Kapelle, Sakristei und Untergeschoss mit Hedwigssaal und Toiletten.
Kapellen konnten von der Diözese Rottenburg – egal aus welchen Gründen – finanziell nicht gefördert werden. Also musste das, was seelsorgerisch notwendig war, förderungsfähig deklariert und dann auch so genutzt werden. Auch die Jugend der Gemeinde wollte mehr als nur eine Kapelle, und sie forderte auch – ganz im Sinne des brüderlichen Teilens –, dass zehn Prozent der Investition für Anliegen der Dritten Welt aufgebracht werden sollten.
Das hässliche Wort vom “Mehr-Zweck-Raum” hinderte Bauherr und Architekt aber nicht daran, vor allem einen sakralen Raum zu schaffen. Die Gesamt-Gestaltung nach außen und innen sollte hohe künstlerische Qualitätskriterien erfüllen und einen intim-meditativen Raum schaffen.
Das Zeltdach symbolisiert das Zelt des alten Bundes. Der raue Putz ist gestaltungs- und zugleich akustik-technisches Element. Schmale hohe Fenster lassen von der Außenwelt nur ein Minimum nach innen dringen. Die künstlerische Gestaltung der Fenster ist das Ergebnis eines Wettbewerbs unter Studenten Professor Schaffrath’s von der Stuttgarter Kunst-Akademie.
Spannend war die Auswertung der eingegangenen Wettbewerbsarbeiten. Die Jury (Pfarrer Benz, Frau Sonntag, Rainer Keil, der Architekt und andere) wählte schließlich die überzeugende Arbeit von Katja Ploetz, deren Glasfenster korrespondieren mit der Grafik der Bodenfliesen aus gebrannter Tonerde.”